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25. August 2008

Nackter Badeplausch auf Japanisch

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Eingetragen von: Erneste Appell

Die Bedeutung von Sushi kennt jeder, die eines Anime so mancher, doch was ist ein Onsen? Und was ein Sento? Zeit für einen Blick hinter die Kulissen japanischer Badekultur:

Unter Japans Boden herrscht hohe seismische Aktivität. Hier treffen die eurasische, die philippinische und die pazifische Platte aufeinander und die negativen Folgen davon sind bekannt: Erdbeben katastrophalen Ausmaßes und Vulkane. Doch die positive Kehrseite der Medaille gibt es auch, die Onsen. Diese Naturquellen, aus denen heißes, schwefel-, kalzium- und eisenhaltiges Wasser empor quillt vermögen den Schmerz gewiss ein gutes Stück weit zu lindern. Und in der Tat: schon seit etwa zehntausend Jahren werden die Onsen als Gemeinschaftsort der Entspannung und Körperpflege benutzt und dienen der kollektiven Durchblutungsförderung und Lösung von Muskelverspannungen. Heutzutage sind sie in dem sonst streng hierarchischen und leistungsorientierten Gesellschaftssystem Japans kleine Flecken einer anderen Welt. Hier baden der Bauarbeiter neben dem Firmenboss, die Stickerin neben der Geschäftsfrau und das auch noch nackt.

Genau wie in den städtischen Badehäusern, den Sentos, gilt es für den europäischen Besucher jedoch, zahllose Verhaltensweisen zu beachten. Für eine rundum korrekte Prozedur empfiehlt sich das monatelange Studium von Büchern, die wichtigsten Dinge jedoch auf die Schnelle: Sentos und Onsen sind zwar Orte der Hygiene, doch wird sich vor der Benutzung des eigentlichen Bades im Sitzen auf kleinen Schemeln gründlich gewaschen. Für großgewachsene Europäer wird schon dies zum Drahtseilakt. Gespräche sind in der Regel zu vermeiden und wer an Rumspritzen und Planschen denkt, ist so fehl am Platze wie eine Wasserbombe im Spa-Bereich europäischer Wellness-Tempel. Zudem ist der Grosse-Zehen-Test der verschiedenen Becken zu empfehlen, Temperaturen von 50 Grad Celsius sind nämlich keine Seltenheit!

Es bedarf ein wenig Recherchearbeit, um die kleinen Oasen ausfindig zu machen, denn wie so häufig, sind viele dieser ursprünglichen Paradiese dem Tourismus zum Opfer gefallen. Auf Beppu beispielsweise, dem Onsen-Mekka Japans, wo sich hunderte von Thermalquellen und Bädern befinden, werden die Entspannungssuchenden in ganzen Busladungen an- und abtransportiert, die Badehose ist erlaubt, die Geschlechtertrennung eingeführt und rundherum gibt es Hello-Kitty-Accessoires, Tamagochis und Spielautomaten – kurzum: ein fleischgewordener Entspannungshorror bei dem jegliches kulturelles Flair verloren gegangen ist.

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