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31. Oktober 2011

Im Zeichen der Zeit

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Eingetragen von: Erneste Appell

Siegfried Giedion, Wegbereiter und theoretisches Zugpferd der architektonischen Moderne von LeCorbusier bis Bauhaus, sagte einst sinngemäss, dass sich die Zeitfäden von Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart kreuzen. Interessant ist dieser Gedanke insofern, als dass die Moderne, welche nur allzu oft als radikal geschichtsfeindlich rezipiert wurde, durchaus anerkannte, dass nichts aus dem luftleeren Raum einer Geschichtslosigkeit entstehen kann.

Doch während die Bezüge zur Vergangenheit damals auf eher abstrakter Ebene lagen - etwa das an den Menschen angelehnte Proportionssystem Modulor, eine Modernisierung von Leonardo da Vincis vitruvianischem Menschen - sind sie heute meist offensichtlicher und formaler geworden. Auch knüpfen sie weniger an zeitlose Gedanken an und orientieren sich viel klarer an einer zunehmend idealisierten Zeit: jener des Grossbürgertums.

Konkret: Floral ornamentierte Wände sind ebenso en vogue wie die zur Zeit omnipräsente Badewanne mit Löwentatzen, hier im Bilde die Slipper von Knief & Co. GmbH. Versuche wie die Loft 3 oder Loft 5 (siehe unten), die die bürgerlichen Formen in die Gegenwart zu übersetzen suchen, sind dabei allerdings spannender als die blosse Kopie. Denn Giedion sprach nicht bloss von Fäden der Vergangenheit - und in diesem Sinne ist reine Nostalgie ohne jeden Zukunftsglauben eine künstlerische Sackgasse der Imitation.

Übrigens: Neben dem Grossbürgertum wird zunehmend auch an eine vergangene Landhaus-Romantik angeknüpft. Weniger opulent als das bürgerliche Intérieur kommen hier Handwerk und natürliche Materialien (allen voran Holz) zum Zuge. Eine gute Inspirationsquelle hierzu findet sich auf dem Badezimmer-Spezial von Zuhause.de unter Tolle Ideen für ein traumhaftes Bad im Landhausstil.

Knief AquaPlus

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30. Juni 2011

Palladio

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Eingetragen von: Erneste Appell

Palladio ist ein klingender Name und bezieht sich auf Andrea di Pietro Della Gondola, kurz: Andrea palladio. Wohl kaum ein Architekt hat je einen grösseren Einfluss gehabt. Michelangelo mag durch seine Kunst unter dem Strich berühmter geworden sein, manch anderer mehr gebaut haben, jedoch hat Palladio durch seine Schriften und eine nicht unbeträchtliche Zahl von Villen solch einen grossen Einfluss auf die europäische Renaissance-Architektur gehabt, dass seine Nacheiferer gar unter dem Stil 'Palladianismus' subsummiert werden. In äusserster Klarheit und mit grösster Strenge folgte Palladio bei seinen Werken den Regeln der klassischen Antike (Rom und Griechenland), welche als Höhe- oder gar Endpunkt der Renaissance gelten. Die etwas freieren Kompositionen gegen Ende seines Lebens gaben den Anstoss zum Barock. Soviel zum kleinen Repetitorium der Kunstgeschichte..

Wenn Artesi nun eine Badezimmer-Kollektion Palladio nennt, ist die Erwartungshaltung also gross, offensichtlich unerfüllbar. Jedoch ist der Name Palladio an und für sich sehr wohlklingend, die Stücke sind ebenso wohlgeformt und wen soll dies da noch weiter stören?

Artesi Palladio

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10. Mai 2011

Das stille Örtchen

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Eingetragen von: Erneste Appell

Die Zeiten haben sich gewandelt: Noch vor zweihundert Jahren konnten nur der Adel und der reichste Teil des Bürgertums in ferne Länder reisen, heutzutage kann dies jeder gewöhnliche Arbeiter - EasyJet sei dank. Jedoch wollen wir an dieser Stelle nicht einem Schadstoff-Vergleich von heutigem Arbeiter und feudalem Bauer verfallen..

Dies ist nur eines von vielen Beispielen des Zeitenwandels und die Körperhygiene zählt sicherlich auch dazu. Heutzutage ist man sich kaum bewusst, welch Luxus eine funktionierende Kanalisation darstellt - das Mittelalter kannte noch das Verschütten der Ausscheidungen in die Mitte der schmalen Wohnstrassen und die hygienischen Folgen, allem voran die Pest, sind hinlänglich bekannt. Dass es auch hier der Adel war, der sich zuerst 'moderne' Verhältnisse leisten konnte, erscheint logisch und so widmet eine Ausstellung im Kloster Schussenried (Bad Schussenried, Baden-Württemberg) diesem Thema eine ganze Ausstellung, die bis am 18. September läuft.

Unter dem Motto 'Das stille Örtchen - Tabu und Reinlichkeit bey Hofe' sind hier zahlreiche Exponate öffentlicher und privater Leihgeber mit ausgewählten Stücken aus den Depots und Museen der 'Staatlichen Schlösser und Gärten' vereint. Diese bieten einen interessanten Überblick über die Körperhygiene und Pflegepraxis zu Hofe im Wandel der Zeit. Zudem sollen Sach- und Schriftquellen über die berühmten Vorurteile Aufschluss geben, der Adel (prominent der französische Sonnenkönig Louis XIV.) habe sich lieber einparfümiert als zu waschen und sich hinter Vorhängen und Hecken erleichtert.

Für alle, die sich vertieft für die kulturgeschichtliche Entwicklung der Körperhygiene interessieren ist dies Ausstellung sicherlich einen Besuch wert und sei auch all jenen nahegelegt, die sich auch über das Verfolgen von Hochzeits-Feierlichkeiten vor dem Fernsehen hinaus mit dem Adel beschäftigen möchten..

Ausstellung: Das Stille Örtchen im Kloster Schussenried

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25. Februar 2011

Im Osten nichts Neues...

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Eingetragen von: Erneste Appell

im Westen auch nichts. So zumindest die Meinung von Fowler. Die neue Kollektion Seido sucht das Neuartige daher in der Verbindung beider Kulturen und - da der Gelbe Tiger kommt - was läge näher? In der Idee sollten hier der beruhigende Einfluss der fernöstlichen Kulturen mit dem zeitgenössisch-minimalistischen Design des Westen zu einer harmonischen Sprache verschmolzen werden. Inwiefern dies nun spürbar ist, sei dem Gefühl jedes Einzelnen überlassen. Die Stücke sind jedoch definitiv in einer klaren, einfachen und eleganten Formensprache entwickelt und fügen sich unaufgeregt und doch elegant in das Badezimmer von heute.

Fowler

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2. Februar 2011

Die neue Wertigkeit vs Used-Look fürs grosse Portemonnaie

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Eingetragen von: Erneste Appell

In den Städten Europas ist der Trend schon seit längerem zu beobachten: Wer jung und hip ist kauft sich keine modernen Möbel sondern restaurierte Klassiker von der frühen Moderne bis in die 1980er hinein oder auch gewöhnliche Handwerkskunst. Dies mag mit dem schwindenden Vertrauen in Gegenwart und Zukunft zu tun haben, wohl ebenso mit generellen - derzeit sicherlich auch von der Weltwirtschaftskrise genährten - Zweifeln an der globalen Konsumgesellschaft. Doch letztere ist natürlich auch allen Subkulturen auf den Fersen und der Trend längst erkannt. So bieten mittlerweile auch grosse Einrichtungshäuser wie der deutsche Flamant-Shop Artikel im distinguierten Used-Look an.

Etwa der Waschtisch Calife double. Eigens wird hierzu verwitterte Eiche gekauft und das Ganze wird mit belgischem Blaustein abgedeckt. Das rustikale Stück, welches im Endeffekt natürlich doch etwas zu gut restauriert aussieht, ist mit 3710 Euro alles andere als günstig - doch der städtische Restaurator macht auch nicht billiger glücklich. Die wirklichen Fänge liegen nach wie vor auf den Dachböden der älteren Verwandtschaft und warten darauf, dass der Fernseher aus- und der Heimwerker in Ihnen angeschaltet wird!

Flamant Calife double

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26. August 2010

Tradition in Gold

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Eingetragen von: Erneste Appell

Seit der Industrialisierung gilt die Maschine als effizienter Heilsbringer ebenso wie als potentiell Böses und es bleibt die Frage, wer wessen Sklave ist. Mittlerweile ist die Technik weit fortgeschritten und es gibt nicht bloss Maschinen sondern komplexe Informationstechnologien und vielerlei mehr - aber noch immer ist das Unbehagen in Anbetracht der rasenden Entwicklung präsent. So ist die Beliebtheit von Loftwohnraum zu erklären - und gäbe es günstige, stadtnahe Schlösser, so wäre dies wohl kaum anders.

Das Interesse für die Vergangenheit, teils gar für das Archaische - verbunden mit einer meist beträchtlichen Idealisierung - ist natürlich auch mit Ausbau, Möbeln und Alltagsgegenständen verbunden und so war in den letzten Jahren eine Vielzahl von Armaturen im historisierenden Stilkleid zu entdecken. Die entsprechenden Badewannen sind auch längst marktreif und während viele Hersteller auf eine Neuinterpretation in modernen Materialien setzen, gibt sich die Delphi von Jörger ganz der edlen Tradition hin und überzeugt mit weisser Keramik und vergoldeten Löwentatzen.

Jörger > Produkte > Badewanne

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21. August 2010

Objekt der Woche: Seelisch rein

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Eingetragen von: Erneste Appell

In unserer globalisierten Welt wird man sich hin und wieder bei weiten Auslandsreisen bewusst, dass auch die Sanitärkultur äusserst vielseitig ist. Ein treffendes Beispiel hierfür ist, wenn man vor einer fremdartigen Toilette steht und sich fragt, wie hier zu vorzugehen sei. Doch während die Bedürfnisse der Toilette recht ähnlich gelöst wurden, offenbaren sich in den Badekulturen der Römer, Araber oder Asiaten verschiedenartige kulturelle Haltungen.

Die japanische Badekultur etwa kennt die öffentlichen Bäder (vor allem die vulkanischen Badequellen, die Onsen) ähnlich wie die Römer als soziale Orte. Und während in Europa im privaten Badezimmer der Gedanke nach Reinigung dominiert, glaubt der Japaner auch an die Reinigung der Seele durch völlige Entspannung und benutzt in seinem 'ofuro' darum bis zu 47° heisses Badewasser.

Ob der ungeübte Europäer dabei wirkliche Entspannung findet oder schon ins Koma fällt ist sicherlich individuell unterschiedlich, die vom japanischen Badezimmer inspirierte Sitzwanne Sorrento von victoria+albert aus vulkanischem Kalkstein lässt sich glücklicherweise aber auch mit kälterem Wasser füllen, ist platzsparend und eine ästhetische Ausnahmeerscheinung.

victoria+albert Sorrento

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23. Juni 2010

Luxus ohne Arbeit

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Eingetragen von: Erneste Appell

Vor gut einem Jahr hat Geberit die AquaClean-Linie ins Leben gerufen, welche der im asiatischen Raum allgegenwärtigen und in europäischen Landen Seltenheitswert besitzenden Duschtoilette (aka Washlet) zum Durchbruch verhelfen sollte. Kulturelle Berührungsängste gegenüber diesen mit Wasser reinigenden Toiletten sind wohl nach wie vor vorhanden, alle anderen Probleme sind aber mittlerweile gelöst.

Von Anfang an gab es die Komplettanlagen (siehe hier) und den Aufsatz zur Nachrüstung (siehe hier). Bei beiden Varianten war jedoch meist ein Eingriff in die Bausubstanz von Nöten, um die oft benötigte Wasserzuleitung zu verlegen - vorausgesetzt, man wollte kein hässliches Rohr mitten im Badezimmer. Um diese Kosten zu umgehen und trotzdem zu einem befriedigenden ästhetischen Ergebnis zu gelangen, hat Geberit nun die AquaClean Designplatte präsentiert.

Bei Komplettanlagen zweiteilig (siehe oben), bei Aufsätzen einteilig (siehe unten), ist das Prinzip stets, die Leitungen in der aufgesetzten jedoch schmalen Platte unsichtbar dorthin zu führen, wo es ihrer bedarf. Mit integrierter Betätigungsplatte für die Zweimengenspülung wird somit eine in sich kompakte, elegante Zone für die Duschtoilette geschaffen, welche unnötige Bauarbeiten (und -kosten) vermeidet.

Geberit AquaClean Designplatte

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5. Juni 2010

Objekte der Woche: OTTOCENTO&TOSCANA

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Eingetragen von: Erneste Appell

Handwerk als Basis einer glücklichen, unbeschleunigten Vergangenheit fasziniert seit Anbeginn der Industrialisierung und nicht umsonst lassen sich viele Vermögende zu horrenden Preisen ihre modernen Stahl-Glas-Beton-Paläste punktuell mit Antiquitäten bestücken, deren Zustand bewusst roh ist und als Kontrast dienen soll. Derartige Strategien sind legitim und wer ähnliches für sein Badezimmer im Sinn hat, ohne in London um den Nachlass von Louis XIV. höchstpersönlich bieten zu müssen, dem sei ein Blick auf die Homepage von Bianchini & Capponi nahegelegt.

Die LINEA OTTOCENTO&TOSCANA beispielweise verschreibt sich dem tuskischen Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts, arbeitet mit dunklen Pappel- und Ulmenhölzern, welche auch in Honig oder Natur gekalkt erhältlich sind und mit der besonders hochwertigen weil gleichmässigen Carrara-Sorte Pisanino vollendet werden. Diese Stücke, bei welchen bewusst bejährtes Holz mit Wurmfrass und leichten Farbunterschieden verwendet wird, meistern daher den Balanceakt zwischen perfektem Handwerk und einem antiken Gefühl von Beginn weg.

Bianchini & Capponi LINEA OTTOCENTO&TOSCANA

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2. Mai 2010

How about some bamboo?

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Eingetragen von: Erneste Appell

Kengo Kuma, japanische Architekturlegende und Visionär, verwendete bei der Neugestaltung des Ginzan Onsen Fujiya Hotels (Onsen sind berühmte japanische Heisswasser-Quellen - siehe hier) in den Bädern weder Keramik noch Stahl oder Corian. Stattdessen kamen geschlitzte Bambus-Paneele und Hiba-Holz zum Einsatz. Das Ergebnis dieser Bäder ist einzigartig, typisch japanisch reduziert und doch durch die Materialität unglaublich warm. Kein Standardprodukt aber für den ambitionierten Heimgestalter sicherlich ein spannender Input. 

Bewertung: 5.0 von 4 Benutzern

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